Textilien aus hochwertigen Tierhaarfasern werden häufig gefälscht – regelmäßig und oft unentdeckt.
Besonders bei hochwertigen Fasern wie Kaschmir ist die wirtschaftliche Versuchung groß. In mehreren Fällen wurden als „100% Cashmere“ beworbene Produkte nach Angaben des Cashmere and Camel Hair Manufacturers Institute nicht als Kaschmir, sondern als Acryl, Polyester oder andere synthetische Materialien identifiziert.
Gleichzeitig verlangt die EU-Textilkennzeichnungsverordnung, dass die Faserzusammensetzung klar angegeben wird. Begriffe wie „100%“, „rein“ oder „ganz“ dürfen nur für Produkte verwendet werden, die ausschließlich aus derselben Faser bestehen.
Die verlässliche Prüfung bleibt jedoch anspruchsvoll: Klassische mikroskopische Verfahren wie Lichtmikroskopie oder REM erfordern erfahrene Expert:innen, die Fasern einzeln beurteilen — ein langsamer und fehleranfälliger Prozess, besonders bei morphologisch ähnlichen Tierfasern.
HairSense setzt genau hier an: mit KI-gestützter Faseranalyse für objektivere, schnellere und skalierbare Prüfprozesse entlang der textilen Wertschöpfungskette.
Für morphologische Prüfungen müssen einzelne Fasern aus der Probe isoliert, präpariert, mikroskopisch aufgenommen und anhand subtiler Oberflächenmerkmale bewertet werden.
Quantitative Aussagen beruhen nicht auf einer einzelnen Aufnahme, sondern auf der Bewertung vieler separater Fasern.
Schuppenränder, Übergänge und Oberflächenstrukturen können zwischen Tierarten sehr ähnlich wirken.
Ein rein manueller Prozess ist für Wareneingang, Lieferantenfreigabe und serielle Qualitätskontrolle schwer skalierbar.
Für die morphologische Prüfung werden Fasern zunächst aus der Textil-, Garn- oder Rohfaserprobe isoliert. Anschließend werden einzelne Fasern mikroskopisch aufgenommen und anhand charakteristischer Oberflächenmerkmale bewertet. So lassen sich Schuppenmuster, Schuppendichte, Schuppenhöhe und weitere Unterscheidungsmerkmale vergleichen.

Die Unterscheidung hochwertiger Tierhaarfasern entsteht aus dem Zusammenspiel vieler messbarer Oberflächen- und Strukturmerkmale.
Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Messwert, sondern die Kombination vieler Merkmale. Orientierend liegen Kaschmirfasern häufig bei etwa 12–19 µm, Yak bei etwa 16–22 µm und Wolle bzw. Feinwolle in einem breiteren Bereich von etwa 19–40 µm. Diese Richtwerte müssen immer gemeinsam mit der Oberflächenstruktur betrachtet werden.
Besonders anspruchsvoll wird die Prüfung bei industriell verarbeiteten Materialien: Chemische und mechanische Behandlungen können minderwertige Fasern optisch an hochwertigere Fasern annähern. HairSense kombiniert daher viele messbare Parameter und bewertet sie reproduzierbar über eine größere Zahl einzelner Fasern.
Richtwerte: IWTO-58 / Round Trials · Phan & Wortmann

Die Herausforderung ist nicht nur die Unterscheidung der Fasern, sondern die reproduzierbare Aufnahme und Bewertung vieler Einzelfasern.
Molekulare Verfahren sind wissenschaftlich wertvoll. Für schnelle, robuste und skalierbare Textilprüfung bleiben sie jedoch limitiert — besonders bei verarbeiteten, gefärbten oder gemischten Fasern.
HairSense setzt auf dem etablierten morphologischen Prüfprinzip auf und entwickelt daraus einen KI-gestützten, dokumentierbaren und skalierbaren Prozess für industrielle Qualitätsentscheidungen.
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